Merkblatt Hund Brachycephalie
Tierart: Hund
Defekt an Körperteil: Kopf-Brachycephalie
QUEN-Merkblatt Nr. 8
Bearbeitungsstand: 11.04.2026
Tierart: Hund
Defekt an Körperteil: Kopf Brachycephalie
QUEN-Merkblatt Nr. 8
Bearbeitungsstand vom 11.04.2026
1. Beschreibung des Merkmals
Die Brachycephalie ist durch anatomische Veränderungen des Schädels gekennzeichnet. Dabei zeigt sich ein eher kurzer, runder Schädel mit flacher Schnauze und verkürzter Nase. Die Maxilla ist in der Länge reduziert, wodurch sich die darüberliegende Haut in Falten legt. Die knöchernen Augenhöhlen haben eine verringerte Tiefe. Die anatomischen Merkmale sind das Ergebnis gezielter züchterischer Selektion und treten bei verschiedenen Hunderassen in unterschiedlichem Ausmaß auf.
2.1 Bild 1

Foto: King Charles Spaniel
QUEN-Archiv
2.1 Bild 2

Foto: Mops. QUEN-Archiv
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3. Betroffene Hunderassen
Eine abschließende Liste brachycephaler Rassen existiert nicht, da die Definition von „Brachycephalie“ variiert (Verhältnis von Schädelbreite zu -länge, kraniofaziales Verhältnis, kraniofazialer Winkel usw.). Betroffen sind insbesondere:
- Affenpinscher
- Belgischer Griffon
- Bordeaux Dogge
- Brabanter Griffon
- Brüsseler Griffon
- Boston Terrier
- Boxer
- Bulldog
- Französische Bulldogge
- Cavalier King Charles Spaniel
- Chihuahua
- Japan-Chin
- King Charles Spaniel
- Lhasa Apso
- Malteser
- Mops
- Pekingesen
- Shih Tzu
- Yorkshire Terrier
4. Vorkommen bei anderen Tierarten
- Katzen (insbesondere Perserkatzen und Exotic Shorthair)
- Kaninchen (Hermelin Kaninchen, Farbzwerge, Zwergwidder)
- Schweine (Neijang-Schwein, mittleres und kleines weißes Schwein)
- Rinder (Niata-Rind)
- Ziegen ( z.B. Shami-Ziege)
5. Mit dem Merkmal möglicherweise verbundene Probleme/Syndrome
Von mehreren im Zusammenhang mit dem Merkmal Brachycephalie vorkommenden Problemen und möglicherweise auftretenden Erkrankungen werden an dieser Stelle die wichtigsten bekannten Defekte aufgeführt.
Grundsätzlich muss darauf hingewiesen werden, das nicht nur die Folgen der mehr oder weniger ausgeprägten Brachycephalie, sondern auch bei den einzelnen von einer Brachycephalie betroffenen Rassen unterschiedliche weitere zuchtbedingte Defekte vorhanden sein können, welche das Wohlbefinden des Tieres ungünstig beeinflussen können. Die Brachycephalie ist deshalb als Leitsymptom anzusehen, dem Befunderhebungen folgen müssen, die jeweils die rasse- oder typspezifischen Unterschiede berücksichtigen. Bitte dazu auch die bereits vorhandenen Merkblätter zu einzelnen brachycephalen Rassen beachten: Bulldog, French Bulldog, Mops, Boston Terrier, Cavalier King Charles Spaniel, Pekingese, Shih Tzu, Chihuahua.
- Augenerkrankungen wie z.B. Epiphora, oberflächliche Hornhautpigmentierung, Hornhautreizungen durch Trichiasis, Karunkeltrichiasis, Distichiasis oder ektopische Zilien, ulcerative Keratitis/Hornhautgeschwüre, Hornhautfibrosen, Entropium, Ektropium, beidseitig vergrößerte Lidspalte/Makroblepharon, relativer Exophthalmus, Keratokonjunktivitis sicca, Prolaps der Nickhautdrüse, Hornhautdystrophien, hereditärer Katarakt, progressive Retinaatrophie, verminderte Corneasensibilität), Verlegung, Verlagerung oder Funktionseinschränkung des Tränennasenkanals.
- Brachycephales obstruktives Atemwegssyndrom (BOAS) (stenotische Nasenlöcher, verlängerter oder verdickter weicher Gaumen, Concha-Hypertrophie mit Mukosa-Kontaktpunkten, Larynxkollaps, Pharynxschwellungen, Trachealhypoplasie, Bronchialveränderungen bis Bronchialkollaps, Aspirationspneumonie, nicht-kardiales Lungenödem.
- Beeinträchtigungen der Thermoregulation
- Ohrenerkrankungen (Otitis externa, Otitis media, primäre sekretorische Otitis media/PSOM)
- Hauterkrankungen (Hautfaltendermatitis/Intertrigo, Pyodermie, Malassezia-Dermatitis, periokuläre Hautfaltendermatitis)
- Zahnerkrankungen (Klasse-III-Malokklusion/Unterbiss, Zahnengstände, Zahnrotationen, verlagerte oder retinierte Zähne, Oligodontie, Parodontalerkrankungen, Gaumenfalten)
- Neurologische Erkrankungen (Chiari-Malformation, Syringomyelie, Hydrocephalus)
- Kardiovaskuläre Veränderungen (erhöhter vasovagaler Tonus-Index/VVTI)
- Dystokie
- Wirbelsäulenerkrankungen/Rutendeformationen
6. Symptomatik und Krankheitswert der oben genannten Defekte: Bedeutung/Auswirkungen des Defektes auf das physische/ psychische Wohlbefinden (Belastung) des Einzeltieres u. Einordnung in Belastungskategorie∗
*Die einzelnen zuchtbedingten Defekte werden je nach Ausprägungsgrad unterschiedlichen Belastungskategorien (BK) zugeordnet. Die Gesamt-Belastungskategorie richtet sich dabei nach dem jeweils schwersten am Einzeltier festgestellten Defekt. Das BK-System als Weiterentwicklung nach dem Vorbild der Schweiz ist noch im Aufbau, daher sind die hier vorgenommenen BK-Werte als vorläufig anzusehen. Dies vor allen Dingen deshalb, weil sich im deutschen Tierschutzgesetz keine justiziable Grundlage zur Einteilung in Belastungskategorien findet. Im Gegensatz zur Schweiz werden in den gesetzlichen Normen in Deutschland Schmerzen, Leiden oder Schäden nicht quantifiziert oder ihrer Qualität nach beurteilt, sondern berücksichtigt, wenn sie das Tier mehr als nur unwesentlich beeinträchtigen.
Die Belastungen, welche durch Defektzuchtmerkmale entstehen können, werden in 4 Kategorien eingeteilt (Art. 3 TSchZV, Schweiz). Die Gesamtbeurteilung der Zuchteignung eines Tieres ergibt sich aus der Kategorie des das Tier am stärksten belastenden Merkmals oder Symptoms (Art. 4 TSchZV, Schweiz).
Kategorie 0 (keine Belastung): Mit diesen Tieren darf gezüchtet werden.
Kategorie 1 (leichte Belastung): Eine leichte Belastung liegt vor, wenn eine belastende Ausprägung von Merkmalen und Symptomen bei Heim- und Nutztieren durch geeignete Pflege, Haltung oder Fütterung ohne Eingriffe am Tier und ohne regelmäßige medizinische Pflegemaßnahmen kompensiert werden kann.
Kategorie 2 (mittlere Belastung): Mit diesen Tieren darf nur gezüchtet werden, wenn das Zuchtziel* beinhaltet, dass die Belastung der Nachkommen unter der Belastung der Elterntiere liegt.
Kategorie 3 (starke Belastung): Mit diesen Tieren darf nicht gezüchtet werden.
*Für eine Bewertung in den Merkblättern wird allerdings vorausgesetzt, dass ein Zuchtziel durch geeignete Zuchtprogramme nicht nur geplant, sondern tatsächlich erreicht werden kann, ohne dass bei den Tieren der Zwischengenerationen zuchtbedingte Defekte zu erwarten sind, die Leiden, Schmerzen oder Schäden verursachen können.
Physisch:
Augenerkrankungen
Der übermäßige züchterische Selektionsdruck bei brachycephalen Hunderassen führt zu extremen Veränderungen der Schädelform, die wiederum markante Gesichtsveränderungen nach sich ziehen und das Sehvermögen der betroffenen Hunde gefährden. Mit der Schädelverkürzung gehen häufig eine abgeflachte Orbita sowie ein vergrößerter Lidspalt (Makroblepharon) einher, wodurch die Augen stärker hervortreten (relativer Exophthalmus). Diese anatomische Konstellation begünstigt das Auftreten eines Strabismus (Schielen), der den Visus (Sehfähigkeit) erheblich beeinträchtigen kann. Häufig sind chirurgische Maßnahmen erforderlich. Die Entfernung ausgeprägter Nasenfalten kann notwendig werden, um Folgeprobleme wie Trichiasis zu verhindern.
Die charakteristischen Veränderungen des Schädels können bei brachycephalen Hunderassen zudem mit verschiedenen klinischen Augenproblemen einhergehen. Durch diese Deformationen und den damit zusammenhängenden Veränderungen der Augen und des Gesichtsausdruckes (Kindchenschema) sind diese Tiere besonders beliebt und spiegelt sich die wachsende Population auch in der Anzahl der brachycephalen Tiere die inzwischen überdurchschnittlich häufig in der ophthalmologischen Sprechstunde vorgestellt werden. Das sogenannte Brachycephale okuläre Syndrom (BOS) fasst eine Reihe von Anomalien des Auges zusammen, die typischerweise in Verbindung mit der Brachycephalie auftreten. In einer Studie zu ophthalmologischen Erkrankungen mit sieben brachycephalen Rassen, waren Shih Tzus zu 34,3 % (333/970), Möpse zu 20,8 % (202/970) und Boston Terrier zu 16,6 % (161/970) betroffen.
Häufige Befunde sind ulcerative Keratitis (Hornhautgeschwüre), Pigmentierungen der Hornhaut, Hornhautfibrosen sowie ein Entropium. Zudem wird oft eine beidseitig vergrößerte Lidspalte (Makroblepharon) beobachtet. Zur Therapie einer daraus folgenden Epiphora (dem Austreten von Tränenflüssigkeit über den Lidrand) kann ein chirurgischer Eingriff, die mediale Kanthoplastik, erforderlich sein. Dabei werden die Lidränder gekürzt, um eine Reibung der Haare auf der Hornhaut zu unterbinden.
Die ulcerative Keratitis (UK, Hornhautgeschwür) ist eine häufige Erkrankung der Hornhaut, bei der eben diese beschädigt wird und das darunterliegende Gewebe freiliegt. Hornhautgeschwüre können durch verschiedene Ursachen entstehen, darunter Verletzungen, Störungen des Tränenfilms oder äußere Reize. Durch die Schädel- und Augenlidform bedingt ergeben sich für bestimmte Rassen bedeutsame Prädispositionen, welche das Risiko für Hornhautgeschwüre deutlich erhöhen. Brachycephale Hunde sind hiervon besonders betroffen: Ihre stark hervortretenden Augen (relativer Exophthalmus) und große Lidspalten erschweren das vollständige Schließen der Augenlider. Zusätzlich können Haare der Hautfalten über der Nase (nasale Falten) oder lange Wimpern in ständigem Kontakt mit der Hornhaut kommen, was zu Reizungen, Verletzungen und schließlich zu Ulcerationen führt. Von ulcerativer Keratitis betroffene Tiere zeigen Symptome wie verkrampfte Augenlider, Lichtempfindlichkeit, vermehrtes Tränen der Augen, gerötete Bindehaut und Schwellungen der Hornhaut. Da es sich bei den meisten cornealen Nervenfasern um Schmerzrezeptoren handelt, verursachen Schäden an der Hornhaut starke Schmerzen.
Die ulcerative Keratitis tritt am häufigsten bei brachycephalen Hunden auf. Von den 8.877 Hunden, die in einer Klinik in Tokio/Japan von 2008 bis 2017 untersucht wurden, wurde bei 1.018 Hunden diese Erkrankung / Verletzung diagnostiziert. 73,5 %, also fast drei Viertel der Hunde, waren brachycephal.
In einer anderen Studie aus England mit über 104.000 Hunden hatten etwa 0,8 % Hornhautgeschwüre. Besonders häufig betroffen waren Möpse (5,4 %), Boxer (5 %), Shih Tzus (3,5 %), Cavalier King Charles Spaniels (2,5 %) und Bulldogs (2,4 %). Im Vergleich zu Mischlingshunden hatten Möpse hier ein 19-fach, Boxer ein 12-fach und brachycephale Hunde insgesamt ein 11-fach erhöhtes Risiko eine ulcerative Keratitis zu entwickeln. Bei Cavalier King Charles Spaniel und Shih Tzus tritt die Erkrankung häufig in Verbindung mit Keratokonjunktivitis sicca (KCS) auf.
Die oberflächliche Pigmentierung der Hornhaut (Superficial Corneal Pigmentation, SCP) ist ein häufiger ophthalmologischer Befund bei brachycephalen Hunderassen. Durch Reizreaktionen an der Hornhaut – etwa durch mechanische Belastung (wie eingerollte Augenlider, fehlgerichtete Haare, Wimpern oder ektopische Zilien), unvollständigen Lidschluss, Tränenfilmmangel, Verletzungen oder immunvermittelte Prozesse – kommt es zur Einlagerung von Pigment in die vorderen Schichten der Hornhaut. Dieser Pigmentauftrag entsteht als Schutz- bzw. Abwehrreaktion des Gewebes, um empfindliche Strukturen vor chronischer Irritation und Austrocknung zu bewahren, behindert allerdings, je nach Ausprägung, den Visus des Tieres. Besonders häufig tritt sie beim Mops auf.
In einer Untersuchung zeigten 71,8 % der Möpse Anzeichen von SCP, im Vergleich zu 40 % bei anderen brachycephalen Rassen wie Shih Tzu, Pekingese oder Lhasa Apso. Hornhautfibrosen treten hingegen besonders häufig bei Shih Tzus und French Bulldogs auf.
Ein Entropium ist eine Fehlstellung des Augenlids, bei der sich der Lidrand nach innen dreht. Dadurch reiben Wimpern oder angrenzende Haare auf der Augenoberfläche. Die Reibung führt zu Irritationen, Unbehagen, Hornhautgeschwüren und Beeinträchtigungen der Sehfunktion. Bei brachycephalen Hunden wird ein Entropium besonders häufig festgestellt. Studien zeigen, dass bei brachycephalen Hunden die Prävalenz bis zu 22 % betragen kann. Daten anderer Studien bestätigen ein insgesamt erhöhtes Risiko für Entropium bei brachycephalen Hunden, besonders ausgeprägt in der Untergruppe der stark brachycephalen Rassen.
Im Zusammenhang mit dem okulären Brachycephalensyndrom beim Hund (BOS) können zusätzliche Augenveränderungen auftreten, die jedoch nicht zwangsläufig ausschließlich diesem Syndrom zugeordnet werden müssen. Zu den bekannten oder als erblich vermuteten okulären Erkrankungen zählen unter anderem Trichiasis, Karunkeltrichiasis, Distichiasis, ektopische Zilien, Hornhautdystrophien, ein Prolaps der Nickhautdrüse, Keratokonjunktivitis sicca, erblicher Katarakt sowie progressive Netzhautatrophie. Auch eine verminderte Sensibilität der Hornhaut wird bei betroffenen Tieren beschrieben.
Bei brachycephalen Hunderassen sind die Tränennasengänge infolge der zuchtbedingten anatomischen Veränderungen des Gesichtsschädels häufig missgebildet. Sie zeigen oft eine deutliche Verkürzung und einen steilen Verlauf, was zu einer Beeinträchtigung des physiologischen Tränenabflusses führt. Dadurch kann es zu einer teilweisen oder vollständigen Obstruktion des Tränennasengangs kommen, sodass die Tränenflüssigkeit nicht wie üblich über den Nasengang abfließt, sondern über die Augenoberfläche austritt. Klinisch manifestiert sich dieser Defekt durch die Ausbildung einer sogenannten Tränenstraße, die sich als bräunliche Fellverfärbung unterhalb der Augen zeigt. Befindet sich diese Tränenstraße in einer Hautfalte, besteht ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer sekundären Dermatitis. In zahlreichen Fällen besitzen die Tränennasengänge betroffener Hunde eine zusätzliche Öffnung. Dadurch kann die Flüssigkeit auch in den hinteren Teil der Nasenhöhle ablaufen.
Brachycephales Obstruktives Atemwegssyndrom (BOAS)
Bei brachycephalen Hunderassen werden durch die mit dem verkürzten Schädel verbundenen organischen Folgen besonders häufig Veränderungen der Atemwege festgestellt. Das Brachycephale Obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) ist morphologisch durch primäre Anomalien der Atemwege gekennzeichnet. Charakteristische primäre Veränderungen umfassen stenotische Nasenlöcher sowie eine Verdickung und Verlängerung des Gaumensegels. Das überschüssige Gewebe des verlängerten Gaumensegels kann die Epiglottis (eine mit Schleimhaut überzogene, blattförmige Knorpelplatte, die sich dorsal des Zungengrundes befindet und dem Verschluss des Kehlkopfs (Larynx) beim Schlucken dient) behindern, wodurch die Inspiration eingeschränkt sein kann. Die Schleimhaut der Nasenmuscheln (Conchen) hypertrophiert und erschwert dadurch zusätzlich die Atmung. Durch die Schwellung der Schleimhäute in den Conchen sowie an den sogenannten Mukosa-Kontaktpunkten werden die oberen Atemwege verengt. Der Luftstrom ist dadurch eingeschränkt und verschärft die Atemprobleme. Bei stärker betroffenen Tieren können pfeifende oder schnarchende Atemgeräusche wahrgenommen werden.
Die oben beschriebenen charakteristischen Atemwegsgeräusche wie Schnarchen, Stertor (rasselndes, schnarchendes Atemgeräusch) und Stridor (hochfrequentes Pfeifen) zeigen von BOAS betroffene Hunde sowohl in Ruhe als auch bei Belastung. Typische Atembeschwerden umfassen Dyspnoe, Atemnot, Kurzatmigkeit, nächtliche Unruhe sowie verlängerte Erholungsphasen nach Bewegung. Darüber hinaus wird bei betroffenen Tiere eine ausgeprägte Belastungs- und Wärmeintoleranz, häufig mit eingeschränkter Aktivitätstoleranz bis hin zu Synkopen (Ohnmachtsanfällen) infolge des Sauerstoffmangels festgestellt. Auf gastrointestinaler Ebene treten vermehrtes Speicheln, Regurgitieren, Würgen und Erbrechen, zum Teil bedingt durch verlängerte Transitzeiten und gastro-ösophagealen Reflux, sowie Hiatushernien auf. Diese Probleme beeinträchtigen das Wohlbefinden der Hunde zusätzlich.
Durch die anatomischen Veränderungen im Bereich von Nase, Maul und Rachen sind die Hunde einem deutlich erhöhten Atemwiderstand ausgesetzt. Der dabei entstehende Unterdruck in den Atemwegen kann zusätzlich sekundäre Veränderungen wie einen Kollaps des Kehlkopfs und Schwellungen des Rachengewebes verursachen. Durch chronische Anstrengung beim Einatmen, Luftturbulenzen und gastroösophagealem Reflux kann es zu chronischen Kehlkopfentzündungen kommen. Auch die Funktion der unteren Atemwege kann im Rahmen des BOAS in Mitleidenschaft gezogen sein. Bei brachycephalen Rassen werden bronchiale Veränderungen bis hin zum Bronchialkollaps sowie das vermehrte Auftreten von Aspirationspneumonien beschrieben. In einer Studie von Riecks et al. (2007) konnte festgestellt werden, dass bei einzelnen Individuen bis zu vier anatomische Anomalien gleichzeitig vorliegen können.
Die eingeschränkte Atmung führt zu einem Sauerstoffmangel und kann in weiterer Folge zu kardiologischen Problemen führen. Die Luftröhre ist bei brachycephalen Hunden häufig angeboren hypoplastisch. Dies bedeutet, dass sich die trachealen Knorpelringe berühren oder sogar überlappen. Obwohl angenommen wird, dass es keinen wesentlichen Beitrag zum BOAS leistet, kann dies die klinischen Atemwegssymptome verstärken. Die Behinderungen (Obstruktionen) in den oberen Atemwegen beeinträchtigen die Atemfunktion deutlich, was wiederum sekundäre Veränderungen nach sich ziehen kann.
Untersuchungen an brachycephalen Hunden ergaben, dass das Risiko für das BOAS umso mehr zunimmt, je stärker die Schnauze im Verhältnis zur Gesamtschädellänge verkürzt ist. In einer britischen Studie war der Anteil an BOAS-erkrankten Tieren bei Möpsen mit 64,6 % am höchsten, gefolgt von French Bulldogs mit 58,9 % und Bulldogs mit 51,2 %. Das wurde auch in einer anderen Studie gesehen, in welcher moderate bis schwere BOAS-Anzeichen bei 28 % der Bulldogs, 22 % der French Bulldogs und 30 % der Möpse festgestellt wurden. Obwohl viele Boston Terrier gewisse Atemgeräusche zeigen, sind schwere Fälle des BOAS im Vergleich zu den am stärksten betroffenen Rassen deutlich seltener. So wiesen 37,5 % der Boston Terrier keinerlei BOAS-Symptome auf, während dieser Anteil bei French Bulldogs nur 10 % und bei Bulldogs 15,2 % betrug. Die insgesamt geringere Häufigkeit schwerer BOAS-Verläufe bei Boston Terriern könnte auch mit der relativ kleinen Population dieser Rasse zusammenhängen.
Eine neue, auf einem modifizierten sogenannten “Cambridge-Test” basierende Studie mit 906 Hunden aus 14 brachycephalen Rassen, zeigt eine unterschiedliche Prävalenz des brachycephalen obstruktiven Atemwegssyndroms (BOAS) bei den untersuchten Rassen. Es wurde festgestellt, dass Pekingesen und Japan-Chins ebenso häufig von BOAS betroffen sind wie Möpse, French Bulldogs und Bulldoggen, die bereits in früheren Studien untersucht wurden. Über die Hälfte aller Pekingesen (54,3 %) und fast die Hälfte aller Japan-Chins (47,9 %) wiesen ein klinisch signifikantes BOAS auf.
Bei mehreren anderen „weniger extremen” brachycephalen Rassen – Griffon Bruxellois, Boston Terrier, King Charles Spaniel, Dogue de Bordeaux, Shih Tzu – atmeten nur 25–50 % der Hunde normal, während der Rest Anzeichen eines BOAS zeigte.
Der Cambridge-Test (auch als Respiratory Function Grading Scheme (RFGS) bekannt) ist ein Fitnesstest zur klinischen Diagnose und Ermittlung des Schweregrades des BOAS,* ursprünglich für Bulldogs, French Bulldogs und Möpse konzipiert. Aufgrund der oben genannten Studienergebnisse wurde die Anwendung des RFGS um folgende Rassen erweitert: Affenpinscher, Boston Terrier, Boxer, Cavalier King Charles Spaniel, Chihuahua, Dogue de Bordeaux, Griffon Bruxellois, Japan-Chin,King Charles Spaniel, Malteser, Pekingese, Pomeranian, Shih Tzu, Staffordshire Bull Terrier.
*Als alleiniges Kriterium zur Feststellung einer Zucht- oder Ausstellungseignung ist der Cambridge Test nicht geeignet.
Beeinträchtigungen der Thermoregulation
Bei brachycephalen Tieren ist die Thermoregulation durch Hecheln als physiologische Möglichkeit zur Abkühlung deutlich erschwert. Aufgrund der oben beschriebenen anatomischen Veränderungen im Bereich der Nasenschleimhaut ist die Verdunstungskühlung kaum oder nur sehr eingeschränkt möglich. Zusätzlich wird das Hecheln durch Veränderungen am Gaumen bzw. Nasopharynx stark eingeschränkt. Beides kann zu einer gestörten Thermoregulation und somit zu Überhitzung führen. Bei nicht-brachycephalen Hunden tragen Nase und seitliche Nasendrüsen zu etwa 19–36 % der Wärmeabgabe bei. Fehlt diese effiziente Kühlung, steigt bei kurzköpfigen Hunden das Risiko für einen Hitzschlag deutlich. Dies zeigt sich durch eine stark erhöhte Atemfrequenz bis hin zu Atemversagen. In schweren Fällen kommt es zu Zyanose und Atemkrisen, die intensivmedizinische Maßnahmen wie Sauerstoffgabe, Intubation, Abkühlung oder Sedation erforderlich machen können. Langfristig können sekundäre Komplikationen auftreten, darunter Aspirationspneumonien, nicht-kardiale Lungenödeme sowie Bronchialkollaps durch chronisch erhöhten Atemwegswiderstand.
Ohrenerkrankungen
Die für brachycephale Hunde typische Kopfform führt häufig zu weiteren anatomischen Besonderheiten wie ausgeprägten Hautfalten und einer Verengung des äußeren Gehörgangs. Zusammen mit angeborenen Schwächen des Immunsystems, die bei brachycephalen Rassen beschrieben sind, erhöht dies das Risiko für Hautinfektionen wie Pyodermie und Malassezia-Dermatitis sowie für Entzündungen des äußeren und mittleren Ohrs (Otitis externa und media).
Unter Otitis externa (OE) versteht man eine akute oder chronische Entzündung des äußeren Gehörgangs, die auch die Ohrmuschel betreffen kann. Brachycephale Hunde zeigen häufig eine deutliche Verengung des äußeren Gehörgangs – das Lumen ist oft nur etwa halb so groß wie bei Hunden mit physiologischer Schädelform. Dabei spielt vermutlich die typische Kopfform dieser Rassen eine zentrale Rolle: Der stark verkürzte Schädel und das Ungleichgewicht zwischen Gesichts- und Hirnschädel führen dazu, dass auch der im Felsenbein liegende äußere Gehörgang und das Mittelohr von knöchernen Fehlbildungen betroffen sind. Durch die knöcherne Stenose kommt es zu einem gestörten Selbstreinigungsmechanismus, zur Ansammlung von Sekreten und Haaren und schließlich zur Entstehung einer OE. In vielen Fällen liegen zusätzlich Sekundärinfektionen mit Bakterien oder Pilzen, wie beispielsweise Malassezia pachydermatis, vor.
Klinische Anzeichen einer Ohrenentzündung beim Hund sind Rötungen an der Ohrmuschel oder im Gehörgang. Häufig treten außerdem ein unangenehmer Geruch aus dem Ohr, Schwellungen rund um die Ohrmuschel oder den Gehörgang sowie schwarz- bis braunfarbener, wachsartiger Ausfluss auf. Betroffene Hunde kratzen sich vermehrt am Ohr, halten es häufig schief oder tiefer als das andere und reiben den Kopf an Teppichen oder Möbeln, wodurch sich Krusten, Schuppen oder kleine Blutspuren in der Ohrmuschel bilden können. In manchen Fällen treten zudem Othämatome oder akute feuchte Dermatitis nahe der Ohrbasis auf. OE ist für die betroffenen Hunde häufig schmerzhaft. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann sie zu Komplikationen und sogar zu Taubheit führen.
Die Entzündung des äußeren Gehörgangs gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten bei Hunden. Brachycephale Hunderassen zeigen eine erhöhte Anfälligkeit für OE. In einer Studie mit French Bulldogs und Möpsen ergab sich eine Prävalenz von 32%. Die Prävalenz für OE bei Hunden aller Rassen und Mischlingshunde wird zwischen 8,7 und 20 % angegeben. French Bulldogs, Bulldogs und Möpse zeigten in einer Studie ein deutlich erhöhtes Risiko für Otitis externa im Vergleich zu Mischlingen.
Eine lang anhaltende, wiederkehrende OE führt in vielen Fällen zu einer Mittelohrentzündung (Otitis media, OM). Die klinischen Symptome umfassen Kopfschütteln, Kratzen am Ohr, Reiben des betroffenen Ohres am Boden, eine Kopfschiefhaltung zur erkrankten Seite sowie Gleichgewichtsstörungen. Das Ohr ist in der Regel schmerzhaft und zeigt oft eine Sekretansammlung im Gehörgang.
Anatomische Besonderheiten bei brachycephalen Hunden, darunter ein verdickter weicher Gaumen und ein verkleinerter nasopharyngealer Raum, können die Entwicklung einer primären sekretorischen Otitis media (PSOM) begünstigen. Vermutlich spielen dabei eine vermehrte Produktion hochviskösen Schleims oder ein gestörter Abfluss aus dem Mittelohr eine Rolle; auch eine Kombination beider Mechanismen ist möglich. Das Trommelfell bleibt dabei in der Regel intakt, während das Mittelohr mit undurchsichtigem, gräulich- bis gelblichem, zähflüssigem Material gefüllt ist. Es finden sich keine Erreger, was auf einen nicht-infektiösen Erguss hinweist.
Typische klinische Erscheinungen umfassen Hörverlust, neurologische Auffälligkeiten wie Fazialisparese, Nystagmus, Kopfschiefhaltung und Ataxie, sowie Kopf- und Nackenkratzen, Juckreiz im Ohr, abnormales Gähnen, Jaulen, Kopfschütteln, Nackenschmerzen und berührungsempfindliche Ohren. Es gibt einen Zusammenhang zwischen einem Erguss im Mittelohr und einem Hörverlust. In vielen Fällen werden Hördefizite jedoch erst bei gezielten Untersuchungen entdeckt, obwohl zuvor keine Auffälligkeiten bemerkt wurden. Häufig treten PSOM-Befunde gemeinsam mit Chiari-ähnlicher Malformation oder Syringomyelie auf.
Beim Cavalier King Charles Spaniel fallen häufig strukturelle Veränderungen im Mittelohr auf, insbesondere eine dorso-ventrale Abflachung der Bulla tympanica. In einer Studie mit 100 brachycephalen Hunden wurde bei 68 % der Cavalier King Charles Spaniels weichteildichtes Material im Mittelohr festgestellt, was auf eine PSOM hinweist – häufig ohne äußerliche Anzeichen einer Otitis externa. Bulldogs und French Bulldogs zeigten häufig eine verdickte Wand der Bulla tympanica. In derselben Studie wiesen 80 % der French Bulldogs und 24 % der Bulldogs Mittelohrergüsse auf. Mit zunehmender Ausprägung der Brachycephalie verlagert sich die Bulla tympanica weiter kopfwärts, was am deutlichsten bei French Bulldogs und Möpsen zu sehen ist.
Hauterkrankungen
Der verkürzte Schädel brachycephaler Rassen begünstigt die Ausbildung von Hautfalten im Bereich des Kopfes. In diesen feucht-warmen, schlecht belüfteten, aneinander reibenden Hauttaschen siedeln sich Krankheitserreger wie Bakterien und Hefepilze an. Dies führt zu Hautentzündungen, die als Hautfaltendermatitis (Intertrigo) bezeichnet werden. Die betroffenen Hautbereiche können Juckreiz verursachen und schmerzhaft sein. Die Hautfalten im Gesicht brachycephaler Hunde können durch Reibung die Hornhaut reizen und dadurch Augenprobleme wie Ulcerative Keratitis und Hornhautgeschwüre verursachen. Beim Cavalier King Charles Spaniel konnte gezeigt werden, dass Feuchtigkeit ein zusätzlicher Risikofaktor für Hautfaltendermatitis sein kann. Bei dieser Rasse wurde in einer Untersuchung bei 9 % der Hunde eine periokuläre Hautfaltendermatitis festgestellt, obwohl die Tiere nur eine mild brachycephale Kopfform ohne ausgeprägte Gesichtsfalten aufwiesen. Häufige Augenerkrankungen führen jedoch zu übermäßigem Tränenfluss (Epiphora) oder machen den Einsatz von Augentropfen notwendig, wodurch die Hautfalte im inneren Augenwinkel dauerhaft feucht bleibt. Diese anhaltende Nässe weicht die Haut auf (Mazeration) und begünstigt die Entstehung einer Hautfaltendermatitis. In einer Studie mit 905.553 Hunden wurden 11.375 potenzielle Fälle von Hautfaltendermatitis identifiziert. Es ergab sich eine Prävalenz von 0,37 % für Hunde insgesamt. Besonders häufig war die Erkrankung bei brachycephalen Rassen: Bulldogs wiesen mit 6,05 % die höchste Prävalenz auf, gefolgt von French Bulldogs (2,69 %) und Möpsen (2,11 %). Insgesamt lag die Prävalenz bei brachycephalen Hunden (1,02 %) deutlich über der von mesocephalen (0,26 %) und dolichocephalen Rassen (0,22 %). Eine andere Studie mit 455.557 Hunden ergab ebenfalls, dass Bulldogs besonders häufig an Hauterkrankungen leiden – insgesamt waren 28,6 % der Tiere dieser Rasse betroffen. Die Hautfaltendermatitis zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen bei Bulldogs und wurde in dieser Studie bei 7,8 % aller untersuchten Tiere diagnostiziert.
Zahnerkrankungen
Die durch die Verkürzung des Schädels verursachte Platzknappheit im Maulbereich führt häufig zu Oligodontie, Zahnfehlstellungen (wie z.B. Malokklusion) sowie weiteren oralen Veränderungen. Die für brachycephale Hunde typischen Zahnfehlstellungen sind Klasse-III-Malokklusionen (Vorbiss), Zahnengstände, Zahnrotationen, angeboren fehlende Zähne sowie verlagerte oder nicht durchgebrochene Zähne. Nahezu alle brachycephalen Hunde weisen ein oder mehrere Zahnprobleme auf.
Malokklusionen können mitunter ein rein kosmetisches Problem darstellen. In anderen Fällen kommt es durch die Fehlstellung der Zähne zu bissbedingten Traumata. Diese führen häufig zu starken Schmerzen und Unbehagen. Bleiben sie unbehandelt, kann es zu schweren Folgen wie Zahnfrakturen, übermäßigem Abrieb, Zahnverlust oder der Bildung von oronasalen Fisteln kommen. Die bei brachycephalen Hunden häufig auftretende Klasse-III-Malokklusion, auch bekannt als mandibuläre mesiale Okklusion, wird umgangssprachlich als „Unterbiss“bezeichnet. Durch die gezielte Zucht auf die verkürzte Kopfform dieser Rassen sind sowohl Ober- als auch Unterkiefer verkürzt, wobei der Oberkiefer meist deutlich stärker betroffen ist. Der Unterbiss ist bei vielen brachycephalen Hunderassen rassetypischer Standard. Durch die fehlerhafte Zahnstellung treffen die oberen Schneidezähne die unteren Schneide- und/oder Eckzähne. Dadurch entstehen beim Schließen des Mauls unnatürliche Kontakte zwischen den Zähnen und/oder den Zähnen und Weichgewebe, sodass sich die Tiere bei jedem Maul Schließen gewissermaßen selbst verletzen. Dies kann schmerzhafte Verletzungen am Zahnfleisch und an den Zähnen verursachen und das Wohlbefinden der betroffenen Tiere beeinträchtigen. Durch die wiederholte mechanische Belastung kann es außerdem zu einer schmerzhaften Entzündung des Zahninneren (Pulpitis) kommen, die schließlich zum Absterben des Zahnmarks (Pulpanekrose) führt.
Die Verkürzung des Kiefers bei brachycephalen Hunden führt dazu, dass sich dichte Falten am Gaumen ausbilden, in denen sich leicht Futterreste, Haare und Bakterien ansammeln. Dadurch kann es zu wiederkehrenden Entzündungen der Gaumenschleimhaut kommen.
Zahn- und Gebissanomalien können weitreichende gesundheitliche Folgen haben. Sie verursachen nicht nur Schmerzen, Angst, Stress und Leid], sondern können den gesamten Organismus beeinträchtigen und Veränderungen in weiter entfernten Organen hervorrufen. Zahn- und Gebissanomalien erhöhen das Risiko parodontaler Erkrankungen. Parodontalerkrankungen zählen mit Prävalenzen zwischen 44% und 63,6% zu den häufigsten Diagnosen in der tierärztlichen Praxis. Da sich eine Parodontitis nicht zurückbildet, führt sie im Verlauf zu fortschreitenden Schäden an den stützenden Strukturen des Zahnes, insbesondere am Zahnhalteband, Wurzelzement und Alveolarknochen, und endet oft mit dem Verlust von Zähnen. Hauptursache ist eine Störung der schützenden Zahnfleischbarriere, die normalerweise das Eindringen von Bakterien aus der Mundhöhle in tiefere Gewebeschichten verhindert. Eine enge oder fehlerhafte Zahnstellung beeinträchtigt diese Schutzfunktion erheblich.
Neurologische Erkrankungen
(für weitere Details s. Merkblatt Nr. 34 Hund Rasse Cavalier King Charles Spaniel)
Chiari-ähnliche Malformation (Chiari-like Malformation)
Nicht nur Cavalier King Charles Spaniel (CKCS) sondern auch andere brachycephale Hunde zeigen eine hohe Prävalenz der Chiari-Malformation (CM). So wurde die CM auch bei French Bulldogs, Brüsseler Griffon, Chihuahua, Pomeranian, Malteser, Mops und Yorkshire Terrier beschrieben. Chihuahuas haben ein 7,4-fach erhöhtes Risiko an CMSM zu erkranken im Vergleich zu Mischlingshunden.
Cavalier King Charles Spaniels (CKCS) sind allerdings besonders häufig betroffen. Studien gehen davon aus, dass die Prävalenz zwischen 70 und 100 % liegt. Während bei anderen kleinen Hunderassen sowohl Schädel als auch Gehirn proportional verkleinert sind, ist beim CKCS nur das Schädelvolumen reduziert, während das Parenchymvolumen erhalten bleibt. Dies führt zu einem Missverhältnis zwischen Gehirn und Schädel und erklärt die besonders hohe Inzidenz der CM bei CKCS im Vergleich zu anderen kleinen Rassen. Die Prävalenz von symptomatischer Chiari-Malformation und Syringomyelie (CMSM) bei Cavalier King Charles Spaniels wird zwischen 1,6 und 48,1 % angegeben.
Die Chiari-Malformation wird definiert als eine Verringerung des Volumens der hinteren Schädelgrube (Fossa caudalis), die zu einer kaudalen Verlagerung des Kleinhirns und gelegentlich des Hirnstamms in oder durch das Foramen magnum führt. Veränderungen des Schädels und der darin befindlichen Strukturen stehen in engem Zusammenhang mit der Entstehung einer Chiari-Malformation und einer begleitenden Syringomyelie.
Das Syndrom der Chiari-Malformation ist durch kombinierte knöcherne und parenchymale Veränderungen gekennzeichnet. Dazu gehören ein vorzeitiger Schluss der Schädelsuturen mit resultierender Verengung im rostrotentorialen Bereich sowie eine Herniation des Hinterhirns. Zusätzlich verschärfen Deformationen im Bereich des craniocervikalen Übergangs die Situation. Hierzu zählen eine veränderte Ausrichtung des Dens axis, eine verkürzte Distanz zwischen Atlas und Schädel sowie der Verlust der Cisterna magna, einem wichtigen Liquorraum. Diese Veränderungen führen zu Kompressionen von Gehirn und Rückenmark und können Herniationen des Metencephalons begünstigen.
Knowler et al. berichten zudem von charakteristischen Deformationen wie einer verstärkten sphenoidalen Flexur, einer Reduktion des Occipitalkamms und des Supraoccipitals sowie einer kompensatorischen Erhöhung der Schädelhöhe infolge der Verlagerung von Hirngewebe. Auch eine Verlagerung der Medulla oblongata nach oben sowie eine steilere Ausrichtung der ersten Halswirbel (zervikale Flexur) sind beschrieben. Zusammengenommen führen diese Veränderungen zu einer räumlichen Enge und gestörten Lagebeziehungen zwischen Schädel, Hirnstamm und oberer Halswirbelsäule, die eine zentrale Rolle in der Pathogenese von Chiari-Malformation und Syringomyelie spielen.
Eine Studie an 62 Hunden deutet darauf hin, dass die Pathogenese der Syringomyelie nicht ausschließlich auf die Kleinhirnregion beschränkt ist, sondern auch die Großhirnregion betreffen kann. Damit wird die Erkrankung zunehmend als Folge einer komplexen Fehlbildung der gesamten Schädelhöhle verstanden. Bei einigen betroffenen Tieren wurde außerdem eine cerebellare Indentation (Eindrückung bzw. Einbuchtung von Kleinhirngewebe durch Platzmangel oder Druck) mit Verlagerung des Kleinhirns beschrieben.
Syringomyelie
Eine häufige, aber nicht zwingende Folge der Chiari-Malformation ist die Entwicklung einer Syringomyelie (SM). Dabei entstehen im Rückenmark flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Syrinx), die Druck auf das Rückenmark ausüben und zu klinischen Symptomen führen können.
Die genauen Ursachen der Syringomyelie sind bislang nicht vollständig geklärt. Als wahrscheinlich gilt eine Störung des normalen Flusses der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis, CSF). Eine fehlerhafte Druckabstimmung zwischen Liquorfluss und Herzschlag könnte dazu führen, dass CSF in perivaskuläre Räume gelangt und dort die Entstehung von Syrinxen begünstigt.
Syringomyelie (SM) ist eine vererbbare Erkrankung. In einer Studie an 550 Cavalier King Charles Spaniels (CKCS) und 93 Griffon Bruxellois (GB) hatten die Welpen am häufigsten keinen Hinweis auf das Vorliegen einer SM, wenn beide Elterntiere gesund waren: Bei den CKCS waren 70 % der Nachkommen SM-frei, bei den GB sogar 73 %. Umgekehrt war das Risiko für SM bei den Nachkommen besonders hoch, wenn beide Elterntiere betroffen waren – in diesem Fall zeigten 92 % der CKCS- und 100 % der GB-Welpen Anzeichen der Erkrankung. Die Paarung eines SM-freien Elterntieres mit einem SM-betroffenen Partner erwies sich ebenfalls als risikobehaftet, da 77 % der CKCS- und 46 % der GB-Nachkommen von SM betroffen waren.
In vielen Fällen tritt eine Syringomyelie erst in einem Alter ab fünf Jahren auf.
Die Erkrankung gilt als prädisponierender Faktor für das Auftreten neuropathischer Schmerzen. Auch ohne das Vorliegen einer Syringomyelie kann eine Chiari-Malformation bereits Schmerzen und weitere Probleme verursachen, die das Wohlbefinden der betroffenen Tiere erheblich beeinträchtigen.
Hunde mit CM oder CMSM zeigen ein breites Spektrum klinischer Symptome, die sowohl Schmerzen als auch neurologische Auffälligkeiten umfassen können. Häufig treten anhaltende Kratzepisoden im Bereich der Ohren, Schultern oder der vorderen Brustwirbelsäule auf, die mit oder ohne Hautkontakt erfolgen können („Phantomkratzen“). Weitere Symptome sind Gesichtsreiben, Wirbelsäulenschmerzen, Überempfindlichkeit (Hyperästhesie) im zervikalen und kranialen Bereich, Exotropie (Schielen nach außen), Vokalisation, Gangstörungen wie Koordinationsverlust oder Schwäche sowie allgemeine neurologische Auffälligkeiten. Viele betroffene Hunde zeigen Anzeichen neuropathischer Schmerzen. Rusbridge et al. weisen darauf hin, dass die Schmerzen bei Hunden mit Chiari-Malformation mit zunehmender Brachycephalie, einer Verkürzung der Schädelbasis und einer damit verbundenen Enge in direktem Zusammenhang stehen. Durch die Ausdehnung der Syrinx im Rückenmark können Skoliose, Torticollis, Schwäche der Vordergliedmaßen mit Muskelatrophie sowie Ataxie und Schwäche der Hintergliedmaßen entstehen. Hunde mit CMSM sind oft weniger aktiv, ihre Schlafphasen sind gestört, und sie nehmen ungewöhnliche Kopfhaltungen beim Schlafen ein.
Hydrocephalus
Ein kongenitaler Hydrocephalus tritt am häufigsten bei kleinen Hunderassen auf. Der Begriff Hydrocephalus bezeichnet eine Zunahme des Ventrikelvolumens im Gehirn infolge einer gestörten Zirkulation oder Resorption des Liquor cerebrospinalis zwischen dessen Produktion und Aufnahme in den Blutkreislauf. Zu den Rassen mit einem erhöhten Risiko zählen unter anderem der Mops, der Bulldog, der Boston Terrier und der Pekingese. Die Ursache ist vermutlich eine verminderte Aufnahme des Liquors über die lymphatischen Abflusswege sowie eine veränderte Beschaffenheit des Hirngewebes. Zusätzlich können Atemaussetzer im Schlaf, verengte Hirnvenen, Einengungen der Liquorwege oder Druckunterschiede im Brustraum die Entstehung begünstigen.
Bei brachycephalen Hunden mit Hydrocephalus können vielfältige neurologische Symptome auftreten. Häufig zeigen betroffene Tiere auch Veränderungen der Schädelform oder eine persistierende Fontanelle. Neben motorischen Defiziten treten auch Veränderungen des Bewusstseins und der mentalen Verfassung auf, die von Apathie oder depressiven Zuständen bis zu Übererregbarkeit reichen können.
Zusätzlich können Sinnesleistungen wie Sehen und Hören beeinträchtigt sein. Typische klinische Befunde umfassen Kreisen, Ataxie, zentralnervöse Krampfanfälle sowie dilatierte, lichtstarre Pupillen, Blindheit oder Strabismus. In vielen Fällen zeigen die Tiere einen progredienten Krankheitsverlauf, wobei sich die Symptome im Laufe der Zeit verschlimmern können. Gelegentlich werden jedoch auch asymptomatische Verläufe ohne klinisch erkennbare Anzeichen beschrieben.
Kardiovaskuläre Veränderungen
Brachycephale Hunde zeigen im Durchschnitt einen höheren vasovagalen Tonus-Index (VVTI) als nicht-brachycephale Hunde. Der VVTI ist ein Wert, der die Herzfrequenzvariabilität angibt. Die Herzraten-Geschwindigkeit variiert durch externe Faktoren und ist beim Hund physiologisch unregelmäßig. Die Ursache für den erhöhten VVTI bei brachycephalen Rassen ist bislang nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise trägt jedoch die durch die brachycephale Morphologie bedingte erhöhte respiratorische Belastung dazu bei. Hunde mit brachycephalem Syndrom entwickeln infolge des erhöhten Strömungswiderstands in den oberen Atemwegen einen gesteigerten intrathorakalen Druck. Dieser Druckanstieg, der durch die verstärkte Atemarbeit entsteht, kann das Auftreten einer respiratorischen Sinusarrhythmie begünstigen, die durch atemabhängige Schwankungen der Herzfrequenz gekennzeichnet ist.
Dystokie
Aufgrund ihrer besonderen anatomischen Schädelstruktur haben brachycephale Hunderassen häufig Schwierigkeiten bei der Geburt, die besonders oft zu einer obstruktiven Dystokie führen – einer erschwerten oder unmöglichen natürlichen Geburt, bei der der Fetus ohne Hilfe nicht durch den Geburtskanal ausgetrieben werden kann.
Derartige Geburtskomplikationen (Dystokien) treten bei etwa 5 % aller Hundegeburten auf, doch bei kurzköpfigen (brachycephalen) Rassen dürfte dieser Wert eine deutliche Unterschätzung darstellen. In einer umfassenden britischen Studie lag die Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt bei Hündinnen brachycephaler Rassen 1,54-fach höher als bei Hündinnen ohne Brachycephalie. In einer groß angelegten Erhebung zur Reproduktionsgesundheit von 13.141 Hündinnen aus 151 Hunderassen zeigte sich, dass bei brachycephalen Rassen besonders häufig ein Kaiserschnitt durchgeführt wird. Unter den zehn Rassen mit den höchsten Kaiserschnittraten befanden sich mehrere brachycephale Rassen – darunter Boston Terrier, Bulldog, French Bulldog und Pekingese. Bei den erstgenannten drei Rassen lag der Anteil der Geburten per Kaiserschnitt sogar bei über 80 %. In einer kleineren Studie mit 39 Bulldog Hündinnen konnte eine Kaiserschnittrate von 94,8 % beobachtet werden.
Bulldogs sind besonders anfällig für Geburtskomplikationen, da ihr Beckenkanal sehr eng ist und die Gebärmutter während der Trächtigkeit tief im Körper liegt. Hinzu kommen die im Verhältnis großen Köpfe und breiten Schultern der Welpen, was den Geburtsvorgang zusätzlich erschwert.
Beim Boston Terrier erschweren zwei Ursachen die Geburt: Zum einen ist der Geburtskanal im Becken flach geformt, zum anderen sind die Welpen häufig groß und besitzen überdurchschnittlich große Köpfe. Diese Kombination führt oft zu erheblichen Geburtskomplikationen.
Wirbelsäulenerkrankungen/Rutendeformationen
Brachycephale Hunderassen weisen neben den typischen Schädelveränderungen häufig auch weitere strukturelle Skelettanomalien auf, wie beispielsweise verkürzte und ggf. verdrehte Rute (“screw tail”), die durch Malformationen und Fusionen der Wirbelkörper entstanden ist. Häufig gehen damit auch weitere Missbildungen der Wirbelsäule/ Wirbelkörper einher. Bei chondrodystrophen brachycephalen Rassen treten auch gehäuft degenerative Veränderungen der Bandscheiben (IVDD, Myelopathien) auf. Zu den physischen und psychischen Auswirkungen der Wirbelsäulenerkrankungen sei hier auf die unter Punkt 5 genannten Rassemerkblätter verwiesen.
Zur Rolle des Robinow-like Syndroms (RLS) bei der Entstehung von Wirbelmissbildungen bei einigen brachycephalen Rassen wird auf das Merkblatt Nr. 24 Hund Robinow-Like Syndrom verwiesen.
Lebenserwartung und Mortalität
Brachycephale Hunderassen zeigen im Vergleich zu nicht-brachycephalen Rassen einen schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand. Sie erkranken häufiger und tragen ein höheres Risiko für verschiedene Krankheiten. Aufgrund der erhöhten Disposition für eine Vielzahl von Erkrankungen weisen brachycephale Hunderassen eine kürzere Lebenserwartung auf als meso- und dolichocephale Rassen vergleichbaren Körpergewichts. Als Ursachen werden die mit der Brachycephalie verbundenen Prädispositionen wie BOAS, Wirbelsäulenerkrankungen und weitere Auffälligkeiten vermutet. Eine umfangreiche Auswertung von 50.000 Versicherungsfällen brachycephaler Hunderassen einer US-amerikanischen Tierversicherung bestätigt im Vergleich zu nicht-brachycephalen Rassen eine insgesamt erhöhte Anfälligkeit für zahlreiche mit der Brachycephalie assoziierte Erkrankungen, auch über die typischen brachycephalen Syndrome hinaus.
Psychisch:
Verglichen mit Hunderassen ohne extreme Schädelform sind brachycephale Rassen wesentlich häufiger von verschiedenen Erkrankungen betroffen. Aufgrund der Schwere und des häufig chronischen Verlaufs stellen diese Erkrankungen eine dauerhafte physische und psychische Belastung für die betroffenen Tiere dar.
Hunde mit BOAS erleben neben den körperlichen Symptomen häufig psychische und verhaltensrelevante Beeinträchtigungen. Wiederholte oder chronische Atemnot führt zu Stress, da Atemnot eine stark aversive und angstauslösende Empfindung ist. Zusätzlich zeigen betroffene Tiere Schlafstörungen, die mit Atemaussetzern und gestörter Erholung in der Nacht verbunden sind. Studien belegen eine vermehrte Tagesschläfrigkeit, die auf fragmentierten Schlaf und anhaltende Ermüdung hinweist. Mit zunehmender Schwere der Erkrankung nimmt die körperliche Aktivität ab, wodurch sich die Belastbarkeit reduziert und die Lebensqualität deutlich sinkt. Zahlreiche Verhaltensweisen und Lebensaspekte werden durch die Brachycephalie und ihre Folgeerkrankungen negativ beeinflusst. So kann es auch bei der Futteraufnahme aufgrund der erschwerten Atmung zu Dyspnoe kommen, wodurch die Nahrungsaufnahme beeinträchtigt wird. Nach Phasen körperlicher Aktivität ist häufig eine verlängerte Regenerationszeit erforderlich. Auch interaktives Sozialverhalten, wie das Spielen mit Artgenossen, kann aufgrund der eingeschränkten Belastbarkeit reduziert sein.
Die Chiari-ähnliche Malformation und die sekundäre Syringomyelie sind komplexe Entwicklungsstörungen, die mit Schmerzen und einer erheblichen Beeinträchtigung des Wohlergehens der Tiere verbunden sind. Von CMCS betroffene Hunde sind durch motorische Einschränkungen und neurologische Defizite deutlich in ihrem Verhalten und Wohlbefinden beeinträchtigt. Schmerzen wirken sich zusätzlich negativ auf die Tiere aus und gelten als zentraler Faktor der Krankheitslast. Neuropathische Schmerzen können Angst und Furcht begünstigen und die Lebensqualität erheblich einschränken. Bereits alltägliche Handlungen wie Berührungen oder das Anheben der Tiere können aufgrund der Schmerzhaftigkeit Vokalisationen (z. B. Jaulen) auslösen. Darüber hinaus führen reduzierte Aktivität, Schlafstörungen oder unterbrochene Schlafphasen zu weiterem Leiden und verstärken die Belastung der Tiere.
Neben Lautäußerungen beim Aufstehen, Springen oder Hochheben werden Verhaltensänderungen beschrieben, darunter Rückzug, verminderte Aktivität und die Vermeidung schneller Haltungswechsel wie Treppensteigen oder Springen. Angst, Unruhe, Geräuschüberempfindlichkeit sowie gesteigerte Anhänglichkeit sind ebenfalls häufige Begleiterscheinungen.
Die durch die gezielte Zucht auf Kurzköpfigkeit bedingten Veränderungen des (Gesichts-)Schädels führen zu einem veränderten Verhältnis zwischen Muskel- und Schädellänge, was die Mimik und damit die Kommunikation mit Artgenossen und Menschen beeinträchtigen kann. Eine Übersichtsarbeit bestätigt die Auswirkungen auf das Verhalten: Neben einem eingeschränkten Ausdrucks- und Sozialverhalten ist auch die körperliche Aktivität reduziert, da die Atmung und Wärmeregulation durch die veränderte Anatomie erschwert sind. Ein normales Verhalten ist deshalb oft nicht mehr möglich.
Hautfaltendermatitis im Gesichtsbereich stellt ein Tierschutzproblem dar, da sie lebenslange Reizungen verursacht und bei prädisponierten Rassen häufig mit schmerzhaften Infektionen einhergeht. Etwa jeder fünfte Hund mit Hautfaltendermatitis zeigte Schmerzen. Das macht deutlich, dass diese chronische Erkrankung ein ernstes Tierschutzproblem darstellt.
Die veränderte Schädelstruktur bei brachycephalen Hunden wird mit verschiedenen Sinnesstörungen in Verbindung gebracht, vor allem mit Einschränkungen des Geruchs-, Seh- und Hörvermögens. Der schlechte Geruchssinn kommt zum einen durch die Verkleinerung der Nasenhöhle, die die Fläche für die Riechschleimhaut verringert. Zum anderen wird das Riechhirn in den verkürzten Schädel im Gehirn verschoben. Der Geruchssinn spielt für Hunde eine besonders wichtige Rolle. Er ermöglicht ihnen, aktuelle und vergangene Informationen über ihre Umgebung zu sammeln, andere Individuen zu erkennen, Entscheidungen zu treffen und zu lernen. Einschränkungen im Geruchssinn können daher das Wohlbefinden von Hunden deutlich mindern, da sie ihre wichtigste Sinneswahrnehmung verlieren und dadurch in ihrer Umwelt, Kommunikation und Beschäftigung eingeschränkt werden. Eine primär sekretorische Otitis media beeinträchtigt die Schallleitung und führt zu einer Hörminderung, die dem subjektiven Eindruck entspricht, das Ohr sei verschlossen.
Die Tiere zeigen in vielen Bereichen ihres Lebens erhebliche Einschränkungen ihres natürlichen Verhaltens, weshalb insgesamt von einer verringerten Lebensqualität ausgegangen werden muss.
Belastungskategorie: 3, bei einer Brachycephalie unter 1/3 der Nasenlänge bzw. einem kraniofazialen Verhältnis von weniger als 0,3.
7. Vererbung, Genetik, ggf. bekannte Genteste
Aufgrund der genetischen Komplexität wird angenommen, dass mehrere Chromosomen an der Ausprägung der Brachycephalie beteiligt sind. Jedoch sind Genetik und Vererbung nicht vollständig geklärt. Es besteht die Vermutung, dass das TCOF1-Gen an der Entstehung der Brachycephalie beteiligt ist, bisher konnte die Annahme jedoch nicht bestätigt werden. Mehrere Studien zeigen eine Verbindung zwischen Brachycephalie und Loci auf dem CFA 1, dem Chromosom 1 des Hundes. Darüber hinaus wird eine Rolle der Gene SMOC2, BMP3, FGFR-2, THBS1 und DVL2 diskutiert.
Auch die Punktmutation rs23314713 des Genes P2RX7 könnte in Zusammenhang mit Brachycephalie stehen. Jedoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass die genetische Variation auf eine gemeinsame Abstammung von Bulldoggen und nicht auf die Brachycephalie per se zurückzuführen ist.
Details zur Vererbung einzelner mit der Brachycephalie assoziierter Merkmale können den unter Punkt 5 genannten Rassemerkblättern entnommen werden.
8. Diagnose – weitergehende Untersuchungen
Achtung: Invasive, das Tier belastende Untersuchungen sollten nur in begründeten Verdachtsfällen bei Tieren zur Evaluierung ggf. notwendiger Therapiemaßnahmen durchgeführt werden nicht aber, zur Beweisführung, wenn bereits sichtbare Defekte zum Zucht- und Ausstellungsverbot führen.
Brachycephalie
Neben der adspektorischen Beurteilung von Kopfform, Nasenöffnungen und Kiefer sind zur Absicherung der Diagnose und zur Vervollständigung des klinischen Gesamtbildes häufig weiterführende fachtierärztliche Untersuchungen sowie bildgebende Verfahren des Kopfes und bei einigen Tieren auch des Skelettsystems erforderlich. Diese Untersuchungen können notwendig sein, um zusätzlich gegebenenfalls eine angemessene medizinische Behandlung für das betroffene Tier einzuleiten. Mithilfe der Endoskopie lassen sich Stenosen, Verengungen im Nasenvorhof, Überlänge und Verdickung des weichen Gaumens, Veränderungen der Luftröhre sowie überschüssiges Gewebe im Nasen-, Rachen- und Maulbereich feststellen. Ergänzend zu den bereits äußerlich erkennbaren Veränderungen der Kopfform, Nasenlöcher und Kiefer schaffen Röntgenaufnahmen und/oder mehrdimensionale bildgebende Verfahren wie ein Schädel-CT Klarheit über weitere mögliche Defekte. Die Ausprägung der Brachycephalie lässt sich mithilfe validierter Messverfahren quantifizieren, wobei das kraniofaziale Verhältnis als Grundlage dient. Dafür wird die Schnauzenlänge durch die Schädellänge dividiert. In den Niederlanden wird dieses Verhältnis im Rahmen eines praxisorientierten Ampelsystems zur züchterischen Bewertung herangezogen. Das System legt fest, dass eine Zucht nicht zulässig ist, wenn das kraniofaziale Verhältnis unter 0,3 liegt. Entsprechend muss die Nasenlänge mindestens ein Drittel der gesamten Kopflänge betragen, um tierschutzrechtlichen Anforderungen zu genügen. Die erforderlichen Messungen können anhand von Röntgenaufnahmen des Schädels durchgeführt werden. Darüber hinaus ermöglicht die In-vivo-Methode eine direkte Vermessung am lebenden Tier, mit der sich das Ausmaß ebenfalls erfassen lässt. Charakteristisch für brachycephale Hunde ist dabei ein Verhältnis von Schädelbreite zu Schädellänge von mindestens 80 %. Darüber liegende Werte gelten als Hinweis auf eine extreme Kurzschnäuzigkeit.
Augenerkrankungen
Besteht ein Verdacht auf eine Augenerkrankung, wird eine vollständige ophthalmologische Untersuchung durchgeführt. Je nach Verdachtsdiagnose können ein Schirmer-Tränentest, eine Tonometrie, Ophthalmoskopie sowie weitere diagnostische Verfahren Aufschluss geben.
Brachycephales obstruktives Atemwegssyndrom (BOAS)
Die Diagnose des Brachycephalen Obstruktiven Atemwegssyndroms (BOAS) basiert auf einer Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und bildgebender Diagnostik. Zu Beginn erfolgt eine gründliche Anamnese, bei der die klinischen Symptome, die Vorgeschichte des Hundes sowie die Wahrnehmung der Tierhalter*innen berücksichtigt werden. Problematisch ist hierbei, dass Halter*innen die typischen Symptome wie z.B. Schnarchen, inspiratorische Dyspnoe, Zyanose oder synkopale Episoden – häufig als rassespezifisch und somit „normal“ einstufen.
Im Rahmen der klinischen Untersuchung werden die Nasenlöcher visuell auf das Ausmaß einer Stenose beurteilt, wobei auch eine forcierte oder bauchbetonte Atmung Hinweise auf eine Atemwegsbeeinträchtigung liefern kann. Das Schnarchen entsteht meist durch Luftturbulenzen im oro-pharyngealen Bereich, während hochfrequente inspiratorische Geräusche auf eine schwerwiegendere Obstruktion, etwa durch einen kollabierten Larynx oder Nasopharynx, hinweisen.
Zur weiteren Beurteilung kann eine Belastungsuntersuchung (z. B. Cambridge-Test, RFGS) durchgeführt werden, um den Schweregrad der Erkrankung objektiv einzuschätzen. Bei auffälligem kraniofazialen Verhältnis, das durch Division der Nasenlänge durch die Schädellänge berechnet wird, ist dieser Test besonders indiziert, aber keinesfalls ausreichend geeignet, um eine Aussage über die Zuchteignung eines Tieres zu treffen, da mit der brachycephalen Morphologie in der Regel weitere Missbildungen und Prädispositionen assoziiert sind und ein progredienter Verlauf eines BOAS mit zunehmendem Lebensalter und ggf. zunehmendem Gewicht zu erwarten ist. Eine erste Einschätzung kann auch durch eine klinische Untersuchung vor und nach körperlicher Belastung erfolgen.
Bei stabilen Patienten sollte zusätzlich die Lungenfunktion überprüft werden – mittels Auskultation, Pulsoxymetrie und Blutgasanalyse. Eventuell vorhandene Pneumonien oder Lungenödeme können röntgenologisch erkannt werden.
Für eine detaillierte Untersuchung der anatomischen Strukturen der oberen Atemwege wird eine Sedations- oder Narkoseuntersuchung empfohlen, bei der insbesondere der oropharyngeale und laryngeale Bereich beurteilt wird. Ergänzend können Röntgenaufnahmen, CT oder MRT zur genaueren Beurteilung der Atemwege sowie zur Erfassung einer möglichen Trachealhypoplasie herangezogen werden. Hochauflösende bildgebende Verfahren ermöglichen dabei die detaillierte Darstellung von Gaumen, Larynx und Trachea.
Ohrerkrankungen
Zu den diagnostischen Maßnahmen zählen die Video-Otoskopie, die Myringotomie sowie bildgebende Verfahren wie MRT oder CT. Otoskopische Untersuchungen der Gehörgänge und des Trommelfells können jedoch durch Verengungen erschwert sein. Eine genauere Beurteilung der Gehörgänge sowie der Bulla tympanica ist insbesondere mittels CT möglich.
Hauterkrankungen
Abhängig von der Verdachtsdiagnose werden auf Basis der Anamnese und der klinischen Untersuchung gezielt weiterführende dermatologische Untersuchungen durchgeführt.
Zahnerkrankungen
Neben der visuellen Beurteilung von Zähnen und Gebiss sind bildgebende Verfahren von großer Bedeutung. Zwar können konventionelle Dentalröntgenaufnahmen eingesetzt werden, jedoch ermöglichen Cone-Beam-Computertomographien (Dental-CBCT) aufgrund der veränderten Schädelanatomie brachycephaler Rassen eine präzisere Diagnostik.
Eine gründliche Untersuchung der Maulhöhle ist häufig nur unter Vollnarkose möglich, da viele betroffene Hunde bei Berührung der Mundschleimhaut schmerzempfindlich reagieren. Zur Beurteilung des Parodontalstatus sollten daher ergänzend Röntgenaufnahmen angefertigt werden. Bei nicht durchbrechenden Zähnen empfiehlt sich zudem eine intraorale Röntgenuntersuchung, um mögliche Zysten oder andere pathologische Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Neurologische Erkrankungen (CM/SM)
(s. auch Merkblatt Nr. 34 Hund Rasse Cavalier King Charles Spaniel)
Schmerzen lassen sich anhand klinischer Befunde sowie durch Angaben aus der Anamnese erkennen. Betroffene Hunde zeigen laut Halter*innen vor allem nachts, beim Aufstehen, bei extremen Temperaturen, Aufregung oder bestimmten Körperhaltungen verstärkte Symptome. Das Spektrum reicht von einer leichten Überempfindlichkeit im Kopf- und Nackenbereich bis hin zu plötzlichen Schmerzäußerungen bei Kopfbewegungen.
Für die Diagnosestellung ist ein MRT unerlässlich, da nur damit das Vorliegen und der Schweregrad einer Chiari-Malformation bzw. Syringomyelie sicher beurteilt werden können. Zusätzlich können Informationen zum Ventrikelsystem und zu möglichen Mittelohrerkrankungen gewonnen werden. Weitere bildgebende und elektrophysiologische Verfahren können die Diagnostik bei Bedarf ergänzen, während spezielle MRT-Techniken (z. B. Funktions- oder cine-MRT) für ausgewählte Fragestellungen eingesetzt werden können.
Dystokie
Im Rahmen der Anamnese sowie der klinischen Untersuchung und der Befragung zu Trächtigkeit und Geburtsverlauf sollten gezielt bestimmte Befunde berücksichtigt werden. Dazu zählen unter anderem mögliche Beckenfrakturen, die Dauer der Trächtigkeit, die Körpertemperatur sowie die Zeitintervalle zwischen der Geburt der einzelnen Welpen. Ergänzend sollte eine digitale vaginale Untersuchung durchgeführt werden. Röntgenaufnahmen liefern zudem wichtige Informationen über die Anzahl und Lage der Welpen.
Wirbelsäulenerkrankungen/Rutendeformationen
Für die Diagnostik eignen sich insbesondere mehrdimensionale bildgebende Verfahren, um eine fundierte Beurteilung der Wirbelsäule zu ermöglichen. Abhängig vom Gesundheitszustand des Hundes – insbesondere im Hinblick auf mögliche Beeinträchtigungen der oberen Atemwege – kann eine Narkose während der Bildgebung unter Umständen sicherer sein als eine Sedation. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, einen Gentest zum Ausschluss eines IVDD-Risikos durchzuführen.
Brachycephalie als Leitsymptom
Zusammenfassend ergibt sich aus den oben näher ausgeführten Erkenntnissen, dass eine Brachycephalie bei Hunden, bei der das kraniofaziale Verhältnis unter 0,3 liegt (Nasenlänge weniger als ein Drittel der gesamten Kopflänge ) als Leitsymptom verstanden werden kann und sollte, welches mindestens dazu führt, zur Beurteilung einer Zucht- oder Ausstellungseignung, auch bei zunächst symptomfrei erscheinenden Tieren, unter Berücksichtigung rassespezifischer Prädispositionen, immer eine weitere Diagnostik anzuschließen.
Für eine Aussage zur Zuchteignung eines Tieres reicht weder ein „normaler“ bisher durchgeführter Belastungstest, noch der so genannte Cambridge-Test allein, keinesfalls aus. Diese Tests können allenfalls zur unterstützenden Diagnostik herangezogen werden. Das ist nicht nur deshalb von Bedeutung, weil dieser Test von vielen weiteren Faktoren wie Alter, Ernährungszustand usw. abhängig ist, sondern weil er nur einen sehr begrenzten Ausschnitt der gesundheitlichen Eignung eines Hundes abdeckt. Er fokussiert sich primär auf die physische Belastbarkeit und die Atmung zu einem bestimmten Zeitpunkt,ignoriert jedoch den in der Regel progredienten Verlauf eines BOAS und vernachlässigt andere entscheidende Kriterien, wie die meisten zuchtbedingten Defekte von denen viele Rassen in unterschiedlichem Ausmaß betroffen sein können.
Ähnlich wie in den Niederlanden empfehlen wir daher für die Diagnostik von brachycephalen Hunden vor einer Zuchtzulassung, neben der Abklärung ggf.rassespezifisch notwendiger Risikofaktoren, mindestens das Ergebnis eines Pet Scans vorzulegen, der bestätigt dass
- beim Atmen in Ruhe keine Nebengeräusche hörbar sind,
- die Nasenlöcher ausreichend groß sind,
- ein kraniofaziales Verhältnis von mindestens 0,3 vorliegt,
- keine Nasenfalte vorhanden ist,
- der weiße Bereich der Augen nur begrenzt sichtbar ist und
- die Augen vollständig geschlossen werden können.
9. Aus tierschutzfachlicher Sicht notwendige oder mögliche Anordnungen
Entscheidungen über Zucht- oder Ausstellungsverbote sollten im Zusammenhang mit der Belastungskategorie (BK) getroffen werden. Ausschlaggebend für ein Zuchtverbot kann je nach Ausprägung und Befund sowohl der schwerste, d.h. das Tier am meisten beeinträchtigende Befund, und dessen Einordnung in eine der Belastungskategorien (BK) sein, oder auch die Zusammenhangsbeurteilung, wenn viele einzelne zuchtbedingte Defekte vorliegen. Berücksichtigt werden sollte ggf. auch der individuelle Inzuchtkoeffizient eines Tieres und die Eigenschaft als Träger von Risiko-Genen.
a) notwendig erscheinende Anordnungen
Achtung: immer mögliche zusätzliche zuchtbedingte Defekte der jeweiligen Rasse berücksichtigen.
Zuchtverbot gem. §11b TierSchG für Tiere mit vererblichen/zuchtbedingten Defekten, insbesondere
- Brachycephalie bei Hunden, bei der das kraniofaziale Verhältnis unter 0,3 liegt (Nasenlänge weniger als ein Drittel der gesamten Kopflänge)
- BOAS (ab Grad 1)
- Augenerkrankungen
- Kiefer und Gebissanomalien- Klasse-III-Malokklusion
- Störungen der Thermoregulation
- Ohrenerkrankungen (chronische Otitis externa, Otitis media, primäre sekretorische Otitis media/PSOM)
- Neurologische Erkrankungen (Chiari-Malformation, Syringomyelie, Hydrozephalus)
- Kardiovaskuläre Veränderungen (erhöhter vasovagaler Tonus-Index/VVTI)
- Dystokie
- Skelett- und Thoraxveränderungen
Eingeschränktes Zuchtverbot (nur bei Hunden mit einer Brachycephalie bei der das kraniofaziale Verhältnis über 0,3 liegt (Nasenlänge mehr als ein Drittel der gesamten Kopflänge).
Ausstellungsverbot für alle Tiere
-mit einem kraniofaziale Verhältnis unter 0,3 (Nasenlänge mehr als ein Drittel der gesamten Kopflänge).
-Defekten der Belastungskategorie 2 oder 3. Mit Tieren, die Defekte/Merkmale tragen, die gemäß dem Schweizer Modell der Belastungsstufe 2 oder 3 zuzuordnen sind, darf weder gezüchtet, noch dürfen diese Tiere ausgestellt werden. Die Ausstellung dieser Tiere ist gemäß §10 TierSchHuV – noch dazu im Lichte des Artikel 20a GG, (gegebenenfalls in Verbindung mit § 16a Abs.1 S.1 TierSchG) zu untersagen.
b) mögliche Anordnungen (rassespezifische Merkblätter beachten)
–Anordnung zur dauerhaften Unfruchtbarmachung (Sterilisation/ Kastration) gemäß 11b (2)
c) mögliche Anordnungen wenn oben beschriebene Defekte nicht vorliegen (nur bei Hunden mit einer Brachycephalie bei der das kraniofaziale Verhältnis über 0,3 liegt (Nasenlänge mehr als ein Drittel der gesamten Kopflänge):
- Errechnung der individuellen COI der Zuchtpartner
- Zuchthygienische Beratung durch spezialisierte Gen Labore
- Outcross Verfahren unter wissenschaftlicher Begleitung
Bitte beachten:
Maßnahmen der zuständigen Behörde müssen erkennbar geeignet sein, auch in die Zukunft wirkend Schaden von dem betroffenen Tier und/oder dessen Nachzucht abzuwenden. Es handelt sich im Hinblick auf Art und Bearbeitungstiefe von Anordnungen und Zuchtverboten immer um Einzelfallentscheidungen im Ermessen der zuständigen Behörde unter Berücksichtigung der vor Ort vorgefundenen Umstände.
10. Allgemeine tierschutzrechtliche Bewertung
a) Deutschland
Aus tierschutzrechtlicher Sicht sind Hunde mit den oben beschriebenen Defekten/Syndromen in Deutschland gemäß § 11b TierSchG als Qualzucht einzuordnen.
Das Verbot des § 11b TierSchG greift nicht nur, wenn mit Tieren gezüchtet wird, die selbst qualzuchtrelevante Merkmale aufweisen, d. h. Merkmalsträger sind (=erkrankte Tiere), sondern auch, wenn bekannt ist oder bekannt sein muss, dass ein zur Zucht verwendetes Tier Merkmale vererben kann, die bei den Nachkommen zu einer der nachteiligen Veränderungen führen können. d.h. Anlageträger sind, ohne selbst erkrankt zu sein (vgl. Hirt/Maisack/Moritz/Felde TierSchG 4. Aufl. § 11b Rn. 6 mit Nachweis auf Binder; vgl. auch Lorz/Metzger TierSchG 7. Aufl. § 11b Rn. 14 mit Verweis auf BT-Drs. 13/7015, 22; BT-Drs. 17/10572, 31). Dies entspricht auch dem Willen des Gesetzgebers, der ein umfassendes Unterbinden der Qualzucht bereits mit der Novelle in der 13. Wahlperiode anstrebte (BT-Drs. 13/7015, 22: Ausweitung von rein körperlichen Mängeln auf Verhaltensstörungen und mögliche Folgen beim Versuch der Korrektur). Diesen Vorgaben folgt die Rechtsprechung in Bezug auf Anlageträger (vgl. VG Schleswig-Holstein, Urt. v. 02.07.18 – 1 A 52.16 Rn. 85; VG Dresden, Beschl. v. v. 20.12.21 – 6 L 646.20 – S. 18, weißer Dobermann, Albinismus) und die gesetzgeberische Intention, Qualzucht umfassend zu verhindern (VG Berlin Urteil v. 23.09.15 – 24 K 202.14 mit Anm. Kröner u.a. – beck-online, ZUR 2016, 181, 183; VG Hamburg, Beschl. v. 04.04.18 – 11 E 1067.18 Rn. 56).
– Ein wichtiges Indiz für einen erblichen Defekt ist, dass eine Erkrankung oder Verhaltensabweichung bei verwandten Tieren häufiger auftritt als in der Gesamtpopulation Gegen einen Schaden spricht nicht, dass sich die Rasse oder Population über längere Zeit als lebensfähig erwiesen hat (vgl. Lorz/Metzger § 11b Rn. 12).
– Das Verbot gilt unabhängig von der subjektiven Tatseite, also unabhängig davon, ob der Züchter selbst die Möglichkeit der schädigenden Folgen erkannt hat oder hätte erkennen müssen (Lorz/Metzger § 11b Rn. 4; Hirt/Maisack/Moritz/Felde TierSchG 4. Aufl. 2023 § 11b Rn. 6). Wegen dieses objektiven Sorgfaltsmaßstabes kann er sich nicht auf fehlende subjektive Kenntnisse oder Erfahrungen berufen, wenn man die jeweiligen Kenntnisse und Erfahrungen von einem sorgfältigen Züchter der jeweiligen Tierart erwarten kann.
– Vorhersehbar sind erbbedingte Veränderungen bei den Nachkommen auch dann, wenn ungewiss ist, ob sie erst nach einem Generationensprung in späteren Generationen auftreten (vgl. Goetschel in Kluge § 11b Rn. 14; vgl. im Ergebnis auch Lorz/Metzger TierSchG 7. Aufl. 2019 § 11b Rn. 14).
Begründung:
Gem. § 11b TierSchG ist es verboten, Wirbeltiere zu züchten, soweit züchterische Erkenntnisse erwarten lassen, dass als Folge der Zucht bei den Nachkommen u.a.
- erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten (§ 11b Abs. 1 Nr. 1 TierSchG) oder
- mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten (§ 11b Abs. 1 Nr. 2 a) TierSchG) z.B. Nichtausübenkönnen von angeborenem Verhaltensrepertoire.
- die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt (§ 11b Abs. 1 Nr. 2c TierSchG).
Schmerz definiert man beim Tier als unangenehme Sinneswahrnehmung, verursacht durch tatsächliche oder potentielle Verletzung, die motorische oder vegetative Reaktionen auslöst, in einem erlernten Vermeidungsverhalten resultiert und die potentiell spezifischen Verhaltensweisen verändern kann ((Hirt/Maisack/Moritz/Felde, TierSchG, Kommentar 4. Aufl. 2023 § 1 Rn. 12 mwN; grds. auch Lorz/Metzger TierSchG 7. Aufl. § 1 Rn. 20).
Leiden sind alle nicht bereits vom Begriff des Schmerzes umfassten Beeinträchtigungen im Wohlbefinden, die über ein schlichtes Unbehagen hinausgehen und eine nicht ganz unwesentliche Zeitspanne fortdauern (Hirt/Maisack/Moritz/Felde, § 1 Rn. 19 mwN; Lorz/Metzger, § 1 Rn. 33 mwN). Auch Leiden können physisch wie psychisch beeinträchtigen; insbesondere Angst wird in der Kommentierung und Rechtsprechung als Leiden eingestuft (Hirt/Maisack/Moritz/Felde, § 1 Rn. 24 mwN; Lorz/Metzger, § 1 Rn. 37).
Ein Schaden liegt vor, wenn der körperliche oder seelische Zustand, in welchem ein Tier sich befindet, vorübergehend oder dauernd zum Schlechteren hin verändert wird (Hirt/Maisack/Moriz/Felde, § 1 Rn. 27 mwN; Lorz/Metzger, § 1 Rn. 52 mwN), wobei völlig geringfügige Beeinträchtigungen, basierend auf körperlicher oder psychischer Grundlage, außer Betracht bleiben. „Der Sollzustand des Tieres beurteilt sich an Tieren der gleichen Art. Das Fehlen von Körperteilen wird dabei in der Kommentarliteratur regelmäßig als Schaden bewertet“ (VG Hamburg Beschl. v. 4.4.2018, 11 E 1067/18 Rn. 47, so auch Lorz/Metzger TierSchG Komm. § 1 Rn. 52).
Die Zucht von Tieren erfüllt den Tatbestand der Qualzucht im Falle des Vorliegens von einem oder mehreren unter Ziffer 6 im Detail beschriebenen Defekte:
- Brachycephalie bei Hunden, bei der das kraniofaziale Verhältnis unter 0,3 liegt (Nasenlänge weniger als ein Drittel der gesamten Kopflänge )
- BOAS
- Augenerkrankungen
- Kiefer und Gebissanomalien- Klasse-III-Malokklusion
- Störungen der Thermoregulation
- Ohrenerkrankungen wie z.B. primäre sekretorische Otitis media/PSOM)
- Neurologische Erkrankungen (Chiari-Malformation, Syringomyelie, Hydrozephalus)
- Kardiovaskuläre Veränderungen (erhöhter vasovagaler Tonus-Index/VVTI)
- Dystokie
- Skelett- und Thoraxveränderungen
b) Österreich
Hunde mit den oben beschriebenen Defekten/Syndromen sind in Österreich gemäß § 5 TSchG als Qualzucht einzuordnen.
Gegen § 5 des österreichischen TschG verstößt insbesondere*, wer „Züchtungen vornimmt, bei denen vorhersehbar ist, dass sie für das Tier oder dessen Nachkommen mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst verbunden sind (Qualzüchtungen), sodass in deren Folge im Zusammenhang mit genetischen Anomalien insbesondere eines oder mehrere der folgenden klinischen Symptome bei den Nachkommen nicht nur vorübergehend mit wesentlichen Auswirkungen auf ihre Gesundheit auftreten oder physiologische Lebensläufe wesentlich beeinträchtigen oder eine erhöhte Verletzungsgefahr bedingen“.
*Das Wort „insbesondere“ bedeutet, dass die Liste nicht vollständig, sondern beispielhaft ist.
Verkürzung des Gesichtsschädels: Die Zucht mit Hunden, die unter einer massiven Verkürzung des Gesichtsschädels und den damit verbundenen Problemen leiden oder dafür genetisch prädestiniert sind, ist als Qualzucht zu qualifizieren, da folgende in § 5 aufgezählte Symptome verwirklicht ist: Atemnot, Fehlbildungen des Gebisses.
Veränderung des äußeren Gehörganges und des Mittelohrs: Die Zucht mit Hunden, die unter stark stenotischen Gehörgängen leiden oder dafür genetisch prädestiniert sind, ist als Qualzucht zu qualifizieren, wenn eines der folgenden in § 5 aufgezählten Symptome verwirklicht ist: Taubheit, neurologische Symptome.
Ektropium bzw. Entropium: Die Zucht mit Hunden, die unter pathologischen Veränderungen der Augen leiden oder genetisch prädestiniert sind, ist als Qualzucht zu qualifizieren, wenn eines der folgenden in § 5 aufgezählten Symptome verwirklicht ist: Entzündungen der Lidbindehaut und/oder der Hornhaut, Blindheit.
Wirbelkörpermalformationen und verkürzte Rute: Die Zucht mit Hunden, die unter Veränderungen der Rute und der Wirbelsäule leiden oder dafür genetisch prädestiniert sind, ist als Qualzucht zu qualifizieren, da das folgende in § 5 aufgezählten Symptom verwirklicht ist: Bewegungsanomalien.
Hautfaltendermatitis: Die Zucht mit Hunden, die unter Hautfaltendermatitis leiden oder genetisch prädestiniert sind, ist als Qualzucht zu qualifizieren, da folgendes in § 5 aufgezähltes Symptom verwirklicht ist: Entzündungen der Haut.
Schwergeburten/Kaiserschnitte: Die Zucht von Bulldogs ist bereits aufgrund der Tatsache als Qualzucht zu qualifizieren, dass mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden muss, dass natürliche Geburten nicht möglich sind.
c) Schweiz
Wer mit einem Tier züchten will, das ein Merkmal oder Symptom aufweist, das im Zusammenhang mit dem Zuchtziel zu einer mittleren oder starken Belastung führen kann, muss vorgängig eine Belastungsbeurteilung vornehmen lassen. Bei der Belastungsbeurteilung werden nur erblich bedingte Belastungen berücksichtigt (vgl. Art. 5 Verordnung des BLV über den Tierschutz beim Züchten (TSchZV). Katzen mit Defekten, die der Belastungskategorie 3 zuzuordnen sind, unterliegen gemäß Art. 9 TSchZV einem Zuchtverbot. Ebenso ist es verboten, mit Tieren zu züchten, wenn das Zuchtziel bei den Nachkommen eine Belastung der Kategorie 3 zur Folge hat. Mit Tieren der Belastungskategorie 2 darf gezüchtet werden, wenn das Zuchtziel beinhaltet, dass die Belastung der Nachkommen unter der Belastung der Elterntiere liegt (Art. 6 TSchZV). Anhang 2 der TSchZV nennt Merkmale und Symptome, die im Zusammenhang mit dem Zuchtziel zu mittleren oder starken Belastungen führen können. Schädeldeformationen mit behindernden Auswirkungen auf die Atemfähigkeit, die Lage der Augen und den Geburtsvorgang, Bandscheibenvorfälle, Fehlfunktionen der Augen und Persistierendes Entropium werden ausdrücklich erwähnt. Zudem werden gemäß Art. 10 TSchVZ einzelne Zuchtformen ausdrücklich verboten. In den übrigen Fällen wird ein Zuchtverbot jedoch nur im Rahmen einer Einzelfallbeurteilung ausgesprochen. Tiere, die aufgrund unzulässiger Zuchtziele gezüchtet wurden, dürfen nicht ausgestellt werden (Art. 30a Abs. 4 Bst. b TSchV).
d) Niederlande
Es ist in den Niederlanden gemäß Artikel 3.4. “Zucht mit Haustieren” des Tierhalter-Dekrets verboten, mit Haustieren in einer Weise zu züchten, die dem Wohlbefinden und der Gesundheit der Elterntiere oder ihrer Nachkommen abträglich ist.
In jedem Fall muss die Zucht so weit wie möglich verhindern, dass
- schwerwiegende Erbfehler und Krankheiten an die Nachkommen weitergegeben werden oder bei ihnen auftreten können;
- äußere Merkmale an die Nachkommen weitergegeben werden oder sich bei ihnen entwickeln können, die schädliche Folgen für das Wohlbefinden oder die Gesundheit der Tiere haben.
In den Niederlanden hatte zwar der dort tätige Zuchtverband (ähnlich wie Zuchtverbände Deutschland) versucht zu erreichen, dass ein Belastungstest zur Zuchtzulassung ausreichen sollte, konnte aber das Gericht nicht davon überzeugen.
Es ist in den Niederlanden daher gemäß Artikel 3.4. “Zucht mit Haustieren” des Tierhalter-Dekrets und Artikel 2 Satz 1 des Dekrets “Zucht mit brachycephalen Hunden” verboten, Hunde zu züchten, deren Schnauze kürzer als ein Drittel der Schädellänge ist und die weitere der oben genannten damit zusammenhängende Probleme aufweisen: bei der Atmung in Ruhe ein Nebengeräusch erzeugen; mäßige bis starke Verengung der Nasenöffnungen aufweisen; eine Nasenfalte mit Haaren, die von der Nasenfalte aus die Hornhaut oder Bindehaut berühren oder berühren könnten oder die nass ist; Entzündungszeichen in einem oder beiden Augen, die mit dem Vorhandensein der Nasenfalte zusammenhängen; ein Auge mit in zwei oder mehr Quadranten sichtbarem Augenweiß; ein Augenlid, das beim Auslösen des Lidreflexes nicht vollständig geschlossen werden kann.
In den Niederlanden muss für die Zucht mit kurzschnäuzigen Hunden das Ergebnis eines Pet Scans vorgelegt werden, das bestätigt, dass 1. beim Atmen in Ruhe keine Nebengeräusche hörbar sind, 2. die Nasenlöcher ausreichend groß sind, 3. ein kraniofaziales Verhältnis von mindestens 0,3 vorliegt, 4. keine Nasenfalte vorhanden ist, 5. der weiße Bereich der Augen nur begrenzt sichtbar ist und 6. die Augen vollständig geschlossen werden können.
Ausführliche rechtliche Bewertungen und/oder Gutachten können, soweit schon vorhanden, auf Anfrage Veterinärämtern zum dienstlichen Gebrauch zur Verfügung gestellt werden.
11. Relevante Rechtsprechung
1. Deutschland: OVG Lüneburg, Beschluss v. 25.10.2022, 11 ME 221/22, VG Düsseldorf, Urteil vom 05.11.2024, 23 K 7084/22.
2. Österreich: nicht bekannt.
3. Schweiz: nicht bekannt.
4. Niederlande: Bezirksgericht Amsterdam, Urteil vom 04. Juni 2025, C/13/743592 / HA ZA 23- 1118, Verbot der Ausstellung von Ahnentafeln für brachycephale Rassen.
5. Norwegen: Bezirksgericht Oslo, Urteile vom 02.02.2022 und 18.11.2022, Zuchtverbot für Cavalier King Charles Spaniel und Einschränkung der Zucht mit (English) Bulldog.
12. Anordnungsbeispiel vorhanden?
Ja. Anordnungsbeispiel kann in anonymisierter Form auf Anfrage Veterinärämtern zum dienstlichen Gebrauch zur Verfügung gestellt werden.
13. Literaturverzeichnis/ Referenzen/ Links
An dieser Stelle wird nur eine Auswahl an Quellen zu den oben beschriebenen Defekten und ggf. allgemeine Literatur zu zuchtbedingten Defekten bei Hunden angegeben. Umfangreichere Literaturlisten zum wissenschaftlichen Hintergrund werden auf Anfrage von Veterinärämtern ausschließlich an diese versendet.
Hinweis: Die Beschreibung von mit dem Merkmal verbundenen Gesundheitsproblemen, für die bisher keine ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen, erfolgen vor dem Hintergrund entsprechender Erfahrungen der Experten und Expertinnen aus der tierärztlichen Praxis, und /oder universitären Einrichtungen, sowie öffentlich frei einsehbaren Datenbanken oder Veröffentlichungen von Tier-Versicherungen und entstammen daher unterschiedlichen Evidenzklassen.
Da Zucht und Ausstellungswesen heutzutage international sind , beziehen sich die Angaben in der Regel nicht nur auf Prävalenzen von Defekten oder Merkmalen in einzelnen Verbänden, Vereinen oder Ländern.
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